Nachdem wir schließlich die Wäsche auch noch in unsere Rucksäcke
gepackt hatten, gingen wir zum Bahnhof. Wir hatten noch etwas
Zeit, denn der Zug fuhr erst um elf Uhr, und so konnten wir im
Bahnhofsrestaurant unsere Abendmahlzeit einnehmen.
Dann
begann die erste Nachtzugfahrt meines Lebens. Die Anordnung
der Liegen habe ich ja schon beschrieben. Sie wurden jetzt
heruntergeklappt, nachdem der Schaffner durchgekommen war und
die Fahrkarten kontrolliert und die Namen mit denen auf seiner
Reservierungsliste verglichen hatte.
Ich habe immer auf
der oberen Liege geschlafen. Da war es zwar sehr eng, ich
hatte vielleicht 50cm Platz bis zu Decke, und direkt neben mir
dröhnten die Ventilatoren. Ich konnte da oben aber wirklich
sehr gut schlafen, mit meiner Stofftasche, gefüllt mit Photo,
Flaschen und Büchern unter dem Kopf, der
Mineralwasserplastikflasche zwischen den Beinen - es war sehr
gemütlich, wenn nach und nach die Lichter ausgingen, die
Gespräche verstummten und der Zug gemächlich über die Gleise
ratterte! Die unteren Abteile hatten entweder den Nachteil,
daß sie stickig waren oder der Fahrtwind hereinpfiff, zusammen
mit verschiedenen Käfern. Deshalb habe ich mich gerne in die
etwas abgelegenen oberen Betten gelegt.
Jonas hat diese
Nacht überhaupt nicht geschlafen, denn angeblich hat ein
indischer Mitreisender die ganze Fahrt lang auf uns und unser
Gepäck gestarrt. Da wollte er es lieber nicht aus den Augen
lassen! Wir hatten natürlich kein Schloß dabei und keine
Kette, um die Gepäckstücke an den Bändern festzusperren, die
zu diesem Zweck unter der unteren Liege angebracht waren.
Unsere indischen Reisegenossen schlossen alle ihr Gepäck an,
weshalb ich vermute, daß die Geschichten über die
Diebstahlhäufigkeit nicht erfunden sind. Uns ist allerdings
nie etwas abhanden gekommen.
Wir haben unser Gepäck
entweder auf dem Boden unter die Bänke geschoben, wo wir auch
unsere Schuhe deponierten, oder auf eine freie Liege gelegt
und dann mit den Schnallen so festgeschnallt, daß es einiger
Zeit bedurft hätte, die Rucksäcke wegzunehmen.
Jetzt im
nachhinein muß ich sagen, daß die Zugfahrten mit zu den
schönsten Erlebnissen in Indien zählten.
Jaisalmer, die alte Karawanenstadt in der Wüste Thar, Indiens "Golden
City", erreichten wir um 6:30 Uhr am Morgen des 15. Juli.
De Bahnhof war recht klein und jetzt, am frühen Morgen,
noch ganz menschenleer. Wir verließen die den Bahnsteige, die
hier offener angelegt waren als in den bisherigen Bahnhöfen
und liefen nach Jaisalmer. Die Wegstrecke betrug zu Fuß etwa
eine Viertelstunde.
Aufdringlich sind hier in Jaisalmer
nicht die Rikshafahrer, sondern die Agenten der Hotelbesitzer.
Diese lauern am Bahnhof und auf der Straße den Touristen auf,
um sie zu ihrem Hotel zu führen. Das war wirklich ganz spaßig:
Im Laufe der Zeit haben sich richtig viele um uns versammelt
und redeten auf uns ein ("very cheap room, 150 Rupees only,
three windows, airconditioned, deluxe! Come to our Hotel! It?s
the best in town!"). Wir waren schließlich in Indien, und so
beschränkten sich die Agenten natürlich nicht nur auf Worte,
sondern schubsten uns herum und machten auf sich aufmerksam,
indem sie sich uns in den Weg stellten. Die Aufdringlichkeit
ist eine Folge des harten Konkurrenzkampfes der Hotelbesitzer
in Jaisalmer, und wir waren ja nicht in der Hauptreisesaison
hier, so daß wir begehrte Kundschaft darstellten. Nach einiger
Zeit gesellte sich ein etwas orientalisch aussehender Mann zu
uns und versuchte, die Häscher zu verscheuchen: "Don?t hazard
the tourists!" Wen wundert es, daß es nicht lange dauerte, bis
sich herausstellte, daß die vermeintliche Hilfe nur ein Trick
war, und jetzt machte auch er lautstark Werbung. "Don?t look
in your bible!" Mit "bible" meinte er unsere Reiseführer, in
denen die besten Hotels aufgeführt sind. Zugegebenermaßen
sprach er hier einen wunden Punkt an; in Jaisalmer sahen wir
ein Plakat, das auf ein neueröffnetes Hotel aufmerksam machte
mit den Worten (sinngemäß): This hotel is not in your "bible"
(lonely planet)! Give us a chance, visit our hotel and
convince yourself of its quality!" Die Reiseführer bilden hier
anscheinend einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor, und ein neues
Hotel, das noch nicht aufgenommen wurde, kann wohl große
Schwierigkeiten haben.
Wir zogen also mit unserem
Gefolge in die Stadt, Jonas beschwerte sich die ganze Zeit
über unsere Geldscheißerei, weil wir nicht mit der Riksha
gefahren waren. Dort angekommen, stellte sich die Frage, wo
das Fort sei. Die Anwerber begriffen, was wir suchten, und nun
brach eine rege Diskussion aus: Jeder zeigte in eine andere
Richtung und behauptete, daß dort ganz sicher das Fort zu
finden sei. Es brach ein phantastisches Geschrei und
Gestikuliere aus, da natürlich jeder in die Richtung zeigte,
wo sein Hotel lag!
Wir kümmerten uns jetzt einfach
nicht mehr um den verrückten Haufen und liefen auf gut Glück
los. Man muß den Hotelagenten allerdings eine gute Ausdauer
anerkennen, denn einzelne sind noch durch die ganze Stadt mit
uns mitgelaufen. Wir fanden auch den richtigen Weg zum Fort.
Mit unseren schweren Rucksäcken konnten wir noch nicht die
richtige Begeisterung für die schöne Stadt aufbringen, aber
deutlich fiel hier schon die Ruhe auf. Es wirkte alles ganz
kleinstädtisch, es gab keine riesigen Verkehrsstraßen, und
überhaupt war hier nicht so viel hektischer Betrieb. Das lag
natürlich zum Teil an der Uhrzeit, war aber dennoch einer der
positiven Aspekte der Stadt. Man sollte sie sich auf keinen
Fall entgehen lassen, wenn man in der Gegend ist!
Im
Fort liegt die Altstadt, die früher einmal die ganze Stadt
gewesen war. Jetzt sind um sie herum die neuen Gebäude
angesiedelt. Der Weg in das Fort war eine steile, gepflasterte
Straße. Sie führt in engen Kurven durch mehrere Tore an den
Außenmauern entlang, die teilweise schon einstürzen. Auf dem
Weg liefen mehrere schwarze Ziegen herum. Die ganze Stadt
innerhalb des Forts war aus ocker-braunen Steinen erbaut und
verbreitete eine golden-orange Stimmung.
Auf dem Weg
sahen wir ein kleines Mädchen, das, weil es wahrscheinlich
keine sanitären Einrichtungen wie Toiletten in seiner Wohnung
gab, den Platz neben der Haustür zum selben Zweck benutzte.
Die Haustür führte direkt auf die enge Straße.
In
unserem Reiseführer hatten wir von einem schön gelegenen Hotel
gelesen, das sich auf einem Hügel in der Altstadt, also im
Fort befand und neben schön ausgestatteten Zimmern einen
herrlichen Ausblick auf Jaisalmer und den Sonnenuntergang bot.
Wir haben es nicht genommen. Zwar sind wir hingelaufen, und es
war wirklich schön, die Besitzer nett, die Zimmer bunt
möbliert und alles in einem verwinkelten Haus mit einer großen
Terrasse untergebracht. Es hatte aber keine Klimaanlage. Auf
dieser bestanden Jonas und ich. Wer der Meinung ist, wir wären
nicht recht bei Trost gewesen, mag recht haben, soll aber mal
versuchen, in einer Wüstenstadt in einem unklimatisierten
Zimmer zu schlafen. Wir hatten, sehr zu Daniels Leidwesen,
keine Lust dazu.
Jonas und ich gingen los, um den RTDC
Tourist Bungalow zu begutachten. Wenn man Daniels Angaben
Glauben schenken darf, haben wir schon während der Zugfahrt
genörgelt und darauf gedrängt, in dieses Hotel zu gehen. Ich
halte das für etwas übertrieben. "Der RTDC Tourist Bungalow
liegt allzu weit außerhalb der Altstadt und zudem in einer
langweiligen Gegend. Diesen Nachteil können auch die recht
passablen Zimmer nicht aufwiegen." Dieser Auszug aus dem
Reiseführer charakterisiert das Hotel treffend. Jonas und ich
mieteten ein Dreierzimmer, und dann liefen wir zurück, um
Daniel zu holen, der bei dem ersten Hotel mit unserem Gepäck
auf uns wartete. Dann liefen wir mit Gepäck noch einmal durch
die halbe Stadt und begaben uns in unser Zimmer. Es war gar
nicht so klein und hatte einen Holzpfosten in der Mitte. Es
gab ein Doppelbett und noch ein zusätzliches. Ein großer
Schrank mit Spiegel stand an der Wand, und daneben die Tür zum
Badezimmer, mit Badewanne! Die Hauptsache aber war die
Klimaanlage, die in die Wand eingebaut war. Sie hatte viele
Raffinessen, wie zum Beispiel regelbare bewegliche
Lüftungsschlitze. Wir stellten sie auf die kälteste Stufe,
richteten sie auf die Betten aus und legten uns hin und
schliefen.
Wer der Meinung ist, wir wären nicht recht
bei Trost gewesen, mag Daniels Initiative gutheißen, der nach
ein, zwei Stunden allein losgelaufen ist, um sich die Stadt
anzuschauen. Aber wir haben eben einen Schlafanfall bekommen,
da konnte man nichts machen. Später sind wir alle drei durch
Jaisalmer gewandert.
Gegessen haben wir im Restaurant
Trio, welches sehr zu empfehlen ist. Das Essen schmeckt
ausgesprochen gut, die Tische sind liebevoll gedeckt und wir
wurden freundlich bedient. Die Tische stehen auf dem Dach
eines Gebäudes, mit einem großen Zelt darüber, das an zwei
Enden offen ist. Die Zeltwände waren mit Girlanden und Bildern
geschmückt. Um auf das Dach zu kommen, muß man eine steile,
verwinkelte Treppe, teilweise fast eine Leiter, erklimmen.
Hinter dem Zelt geht das Dach noch ein ganzes Stück weiter,
und von hier aus kann man das Fort betrachten, das in wenigen
hundert Meter Entfernung beginnt.
In einer Gasse in der
Nähe des Trio gibt es zwei bemerkenswerte Geschäfte. In einem
von den beiden kann man Eier kaufen. Es ist ein typisch
indisches Geschäft, ein kleiner, auf die Straße führender Raum
mit einer Theke vorn, ungefähr drei Meter breit und ebenso
tief, und der ganze Raum war bis auf den Platz für den
Verkäufer mit Eiern vollgestapelt. Hier standen tausende von
Eiern! Man bedenke die Hitze in Jaisalmer (in der Wüstenstadt
herrschten tagsüber zwischen 40 und 50 Grad im Schatten).
Außerdem habe ich in Indien kein einziges Huhn gesehen. Das
ist wirklich sehr verwunderlich, denn ansonsten wimmelt es
hier geradezu von Tieren. Es gibt hier so viele, daß die Inder
sie sehr unfreundlich behandeln. Ein kräftiger Tritt gegen
einen Hund oder eine Katze ist keine Seltenheit, und die
allesamt ausgehungerten Tiere scheinen ihnen überhaupt nicht
leid zu tun.
In unseren industrialisierten Staaten oder
gar Städten ist der Anblick eines freilebenden Tieres schon
eine Seltenheit. Hier allerdings zogen Ziegenherden durch die
Gassen, wurden wir von abgemagerten Hunden verfolgt, saß an
jeder Wand ein Gecko, auf jedem Mast ein exotischer Vogel,
hier lief ein Kamel herum, dort schaute ein Elefant um die
Ecke, die Straßen waren von Kühen verstopft, ab und zu
erblickten wir auch mal einen Pfau, Katzen streunten überall
durch die Gegend - in Indien überhaupt nichts besonderes, und
so werden die Tiere sehr herablassend behandelt, wenn man sie
denn überhaupt beachtet.
Der zweite bemerkenswerte
Laden war ein Buchgeschäft. Es war nur sehr klein, aber auch
überladen mit allen möglichen Büchern in Hindi und Englisch
sowie vereinzelt anderen Sprachen, zum Beispiel auch Deutsch.
Ich vermute, daß diese Exemplare Hinterlassenschaften von
Durchreisenden waren, die nicht wie ich voll Freude zwei Kilo
Bücher durch die Gegend schleppen. Naturgemäß hielten wir uns
lange hier auf.
Am Abend waren wir wieder in unser
Hotel zurückgekehrt. Das Zimmer hatte wegen der Klimaanlage
verriegelte Fenster und war völlig nach außen abgedichtet.
Irgendwie mußte aber trotzdem ein Moskito hereingekommen sein.
Wir lagen arglos in unseren Betten und lasen oder dösten, als
wir ihn sahen. Es begann nun eine Jagd, die mindestens eine
halbe Stunde dauerte. Der Moskito war immer nur einen kurzen
Augenblick lang zu sehen, dann war er wieder verschwunden. Wir
durchstöberten das ganze Zimmer, schoben die Betten
auseinander, klopften die Wände ab. Unzählige Male hielten wir
diverse Flecken an der Wand oder irgendwelche Stäube für das
Raubtier. Endlich hatten wir ihn lokalisiert, und ich näherte
mich ihm langsam, um ihn nicht zu aufzuschrecken und dann zu
erschlagen. Leider ist er im letzten Moment doch weggeflogen,
was Jonas und Daniel sehr in Wut gegen mich brachte. Nach
einigen weiteren Minuten hat Jonas ihn dann endlich erwischt,
und wir feierten den Sieg mit lautem Jubelgeschrei. Später
versuchte ich, die Stimmung zu meinen Gunsten zu wenden, indem
ich im Badezimmer ganz allein einen weiteren Moskito erlegte,
aber ohne großen Erfolg.
Das Bad verdient auch eine
eigene Beschreibung. Während die Klimaanlage in Betrieb ist,
gibt es nur heißes Wasser, hat uns der Hotelbesitzer erklärt.
Da die Klimaanlage ununterbrochen in Betrieb war, bereitete
das Baden kein großes Vergnügen. Außerdem war der
Temperaturunterschied zu dem gekühlten Zimmer so groß, daß wir
jedesmal einen Hitzschlag bekamen, wenn das Bad betraten.
(Gleiches galt natürlich in viel stärkerem Maße für den Fall,
daß wir unser Zimmer verließen und ins Freie traten). Die
Klospülung funktionierte auch nicht richtig, so daß wir wieder
mit dem obligatorischen Eimer spülten.
Donnerstag, 16. Juli 1998.<
Auch den heutigen Tag haben
wir wenigstens teilweise, mehr als den letzten, dazu
genutzt, die Stadt anzuschauen.
So gut wie jeder der
Bewohner Jaisalmers, den wir trafen (und das waren natürlich
sehr viele) stellte uns eine der folgenden Fragen: "What?s
your Name?" "Where are you from?" Zwar wurden wir das
überall in Indien gefragt, aber hier in Jaisalmer häuften
sich die Zahl der Fragen extrem. Deshalb gaben wir nach dem
fünfzigsten Mal nur noch Antworten, die nicht mehr ganz der
Wahrheit entsprachen. Will heißen, wir machten uns einen
Spaß daraus, uns gegenseitig mit der Originalität der
Antworten zu übertrumpfen. Ich weiß nicht, ob die
neugierigen Inder Verdacht geschöpft haben, als wir angaben
Holland, Island, Togo, Disneyland... Unsere Namen wechselten
von Jonas, Daniel und Joachim zu Peter, Adolf usw. Und was
wir alles studierten, hab ich schon längst wieder vergessen.
Die allermeisten der kontaktfreudigen Inder, das sei
in diesem Zusammenhang nochmals deutlich gesagt, waren nicht
etwa auf neue Bekanntschaften oder Erkenntnisse aus, sondern
auf unser Geld. Von Kamelsafaris über Andenken, Flugtickets,
vor allem aber Tücher und Stoffe boten sie uns nach den
ersten freundlichen Worten alles an.
Es folgt hier
wieder ein kleiner Exkurs, und zwar hinsichtlich der
Aussprache der indischen Städtenamen: Das "j" wird fast wie
"ds" ausgesprochen, wie eine Mischung aus "dsch" und "ds".
"ai" klingt oft wie "ä", und so heißen die Städte wirklich:
"Dsäislmer", "Dsodhpur", "Nänidall", "Dsäpur", "Udäipur",
"Amdabad", "Djú", "Dällhi". Spricht man die Städte anders
aus, wird man häufig nicht verstanden: "Nainital" war den
meisten Indern unbekannt, von "Nänidall" hatte jeder schon
gehört.
Hier in Jaisalmer haben wir ab und zu von
Daniels "Taj-Mahal-Tee" gekocht. Den dazugehörigen Zucker
konnten wir an einer Bude direkt vor unserem Hotel kaufen.
Hier gab es auch ekligen abgepackten Kuchen und
Mineralwasser. Unser Hotel hatte einen großen Garten, an
dessen einer Seite in einem flachen Gebäude die einzelnen
Zimmer untergebracht waren. Es war so heiß draußen, daß es
jedesmal endlose Diskussionen gab, wer nun die hundert Meter
zu der Bude laufen sollte, um Zucker, Kuchen oder
Mineralwasser zu besorgen! Auch ein Schachspiel an einem
Tisch vor unserem Zimmer haben wir bald aufgegeben wegen der
Hitze.
Am Nachmittag sind wir durch die Altstadt
gelaufen, um ein paar schöne Aufnahmen zu machen. Ich habe
kein einziges Photo gemacht, da es einerseits sehr viele
lohnenswerte Motive gab und ich mich andererseits nie
entscheiden konnte, diesen Tempel oder jene Fassade eines
Haveli nun wirklich zu photographieren. Dies finde ich im
Nachhinein sehr ärgerlich. Ich bin zwar kein Anhänger des
sogenannten Phototourismus, aber zur Erinnerung sind ein
paar gute Aufnahmen doch immer ganz hilfreich. Nun ja, es
machte dennoch Spaß, durch die engen Gassen zu laufen und
auf immer neue Tempel und Reisebüros und Havelis und
Tuchgeschäfte und schöne Treppen und Telephonläden und
Ziegenherden zu stoßen.
Gegen Abend bin ich mit Daniel
ins Trio zum Essen gegangen, während Jonas zurück zum Hotel
und dann etwas hinaus auf eine Anhöhe in der Wüste gelaufen
ist, um das von der untergehenden Sonne angestrahlte Fort zu
photographieren. Leider hat er seine Kamera vergessen, und
bis er sie geholt hat, war die Sonne schon untergegangen.
Daniel und ich konnten den Sonnenuntergang von der
Dachterrasse des Trio auch nur eingeschränkt bewundern, denn
ganz entfernt am Horizont war eine dichte Wolkenschicht, so
daß die Sonne hinter den Wolken verschwand und nicht hinter
dem Horizont. Es war aber trotzdem sehr schön.
Der
Kellner im Trio hat uns wahrscheinlich noch von gestern
gekannt, er war jedenfalls besonders freundlich, und wir
haben uns gut unterhalten, hauptsächlich über Daniels
Pickel, von denen merkwürdig viele Inder fasziniert waren.
Die Hauptthese, die vertreten wurde, war, daß sie von der
ungewohnten Sonneneinstrahlung kamen.
Das Essen war
ausgezeichnet, und mit der Rechnung präsentierte uns der
Kellner einen kleinen Fragebogen, auf dem wir ankreuzten,
daß wir die Umgebung schön fanden, die Bedienung freundlich
und das Essen sehr gut. Über das Trio Restaurant läßt sich
wirklich nur Gutes sagen, und ich hoffe, das ändert sich
nicht. Schließlich war es Zeit aufzubrechen, denn wir sind
an diesem Abend mit dem Nachtzug nach Jodhpur
zurückgefahren.
Ich erinnere mich noch daran, wie wir
in der Dunkelheit mit unseren Rucksäcken durch die stille
Stadt zum Bahnhof gelaufen sind. Es hat uns wirklich leid
getan, diesen schönen Ort wieder zu verlassen.
Author: Joachim Brod. Publishing Date: April 2000 (Kap. 1-5), July 2006 (Kap. 6-8)
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