Samstag, 01. Januar 2005
Intellectual Property lockig betrachtet
John Locke hat mit seinen Ausführungen zum Eigentum in seinem
liberalistischen Hauptwerk Two
Treatises of government (1690, Kap. 5) eine Unmenge an
wissenschaftlicher Literatur eben darüber provoziert. Dabei bezieht sie
sich nicht nur auf die Rechtfertigungen der Eigentumsrechte, sondern
mit der zunehmenden Zusammenklaubung von digitalen Daten zu einer
Anhäufung von divergierenden Informationen mit dem mutmaßlichen Ziel
der global vernetzten Wissenserweiterung auch auf die feine
Unterscheidung der materiellen und der immateriellen Güter. Während
Locke die grundlegenden Gedanken liefert, dass Eigentum notwendig sein
muss, um das friedliche Zusammenleben zu sichern, analysiert z.B.
Kimppa diese Voraussetzung unter der Erweiterung auf die
Immaterialität der Software und kommt zu dem Schluss, dass der
Liberale Locke heute wohl die sogenannten IPRs (Intellectual Property
Rights) verneinen würde: schon gar nicht existiert irgendein geartetes
Naturrecht auf geistiges Eigentum:
The reason ownership is needed is that material resources are
scarce, and thus everyone cannot necessarily own everything they would
want to. This does not hold true for the immaterial. [...]
No one is deprived of ownership in what he or she has if someone else
owns the same immaterial as well. (Kimppa 2003).
Locke begründet also kein Recht auf geistiges Eigentum; immaterielle
Güter können nicht geklaut werden, sondern nur vervielfältigt (denn
das Original ist ja immer noch da). "Geistiger Diebstahl"
ist also nichts weiter als eine Luftblase.
Axel Schulz schreibt: I hold that a society is terribly mistaken if it uses the idea of
protection in respect of any kind of intellectuals with the inherent
assumption that the use of an idea might limit the pleasure or
possibilities of other individuals. (Schulz 2004, S. 61).
Also sollten wir nicht diskutieren
über Kampfbegriffe wie Diebstahl und geistiges Eigentum, sondern über
den Umgang mit der kopierbaren Natur eines Gutes in der digitalen
Welt, über finanzielle Kompensationsmöglichkeiten für kreative Schöpfer, über
Distributionskanäle für wissenschaftliche Literatur, die den Zielen
der Autoren gerecht werden und nicht nur der Bereicherung durch
immaterielle Güter dienen. Ein Auto kann ich klauen, geschriebenen Code aber
nicht: ich kann nur Urheberrechte verletzen. Das ist ein
kleiner Unterschied.
Kai Kimppa: Intellectual property rights in software--justifiable
from a liberalist position? Free Software Foundation's position in
comparison to John Locke's concept of property, in: Proceedings of The
Sixth Annual Ethics and Technology Conference, S. 143-52, Boston
College 2003).
Axel Schulz: Intellectual Property
Rights in Software - A Critical Investigation from an Ethical
Perspective, Master's thesis University of Linköping, 2004.
um 13:33 in /libresoft [#]
Jahr rum
Gute Vorsätze hab ich nicht, denn ich bin vorsätzlich gut
(neujährlich nächtlicher Spontankalauer).
Und nicht vergessen: Solidarität üben kann man jeden Tag, auch
ganz ohne Naturkatastrophe. Sogar vor der eigenen Haustür.
Wer dafür alberne Weihnachtsansprachen braucht, ist schon ziemlich
armselig.
um 12:38 in /rest [#]
