Samstag, 29. Januar 2005
Web Localizer
Ross Singer hat das Firefox-Plugin bzw. Bookmarklet von Peter
Binkley (GS Local - WAG the
Dog, Windsor-Alberta-Georgia Google Scholar Localization Project) weiter als PHP/Apache-Kombi entwickelt. Die Idee ist, den Inhalt beliebiger Webseiten mit
den eigenen Bibliotheksressourcen zu verknüpfen; beispielsweise die
Ergebnisse von Google Scholar durch ein Bookmarklet jagen, welches
die Suchmaschinenseite mit eigenen Links zu den eigenen
Bibliotheksressourcen ergänzt. So könnten die Ergebnisse einem
OpenURL-Proxy übergeben werden und der Suchende erhält einen Button zu
möglichen Bibliotheksbeständen oder lizensierten Inhalten. Bei
ausreichender Standardsicherung auf Seiten der Provider hat man somit
eine bequeme Schnittstelle zwischen externem Suchdienst (Google) und
eigenen Ressourcen (z.B. eben via SFX/OpenURL). Ross schreibt:
We waste a lot of time and breath worrying about "appropriate
copy", so it is understandable that we should be concerned that our
users may go to these sites and not have access to resources that the
library pays for.
Vorerst ist zwar noch nicht abzusehen, wie die detaillierte Suche in
Fachdatenbanken durch eine universale Suchzeile ersetzt werden kann,
dennoch ist es eine gute Tat, bereits vorhandene Suchwerkzeuge
mit eigenen bibliothekarischen Tools aufzuwerten.
Nähere Beschreibung inklusive sehr anschaulichem Beispiel hier,
Download von Sourceforge.
(via Web4Lib)
um 02:14 in /biblio [#]
Donnerstag, 27. Januar 2005
Sich die Pupillen verstauchen (Schöne Redensarten, III)
Ich starrte also minutenlang auf einen Zettel mit dreiwörtriger,
selbstgeschriebener Notiz vom Vormittag und konnte beim besten Willen
nicht rekonstruieren, was diese geheimnisvollen Worte bedeuten
sollten: Rückenblätter für S. Nach ein wenig winterlicher
Improvisationsmusikeiskühlung ging es dann wieder, und meine
Pupillenverstauchung ließ langsam nach.
um 23:03 in /schrift [#]
Samstag, 22. Januar 2005
The battle of the books
Ahh, Swift!
(...) Besides, it
so happened that about this time there was a strange confusion of
place among all the books in the library, for which several reasons
were assigned. Some imputed it to a great heap of learned dust,
which a perverse wind blew off from a shelf of Moderns into the
keeper's eyes. Others affirmed he had a humour to pick the worms
out of the schoolmen, and swallow them fresh and fasting, whereof
some fell upon his spleen, and some climbed up into his head, to
the great perturbation of both. And lastly, others maintained
that, by walking much in the dark about the library, he had quite
lost the situation of it out of his head; and therefore, in
replacing his books, he was apt to mistake and clap Descartes next
to Aristotle, poor Plato had got between Hobbes and the Seven Wise
Masters, and Virgil was hemmed in with Dryden on one side and
Wither on the other. (...)
Jonathan Swift, The Battle of the Books and other Short Pieces.
Erstveröffentlichung: 1704.
um 22:40 in /biblio [#]
Den Brunnen zudecken (Schöne Redensarten, II)
Schön zweideutig: Den Bunnen (erst) zudecken, wenn das Kind
hineingefallen ist!
um 22:38 in /schrift [#]
Donnerstag, 20. Januar 2005
Printen mit Stil
Wie man mit ollen CSS ordentliche Typographie für den Drucksatz
herzaubert, demonstriert ein frischer Artikel auf xml.com:
Printing XML:
Why CSS Is Better than XSL. Erstaunlich.
(via Darcus Blog)
um 23:15 in /tech [#]
Montag, 17. Januar 2005
In der Prager Unibibliothek
Durch die enorme Leistungsfähigkeit meiner
Lärmstop-Ohrwatteersatzstoffstecker konnte ich die sehr lauten
Geräusche der Musik und des flotten studentischen Tanzschrittes über
mir ausblenden, und so schlief ich doch recht angenehm bis acht Uhr
morgens durch. Zum Frühstück gab es einen Teller zur Auswahl,
wahlweise mit Joghurt, Apfel, Käse oder Wurst. Ich wurde nicht richtig
satt von den zwei Scheibchen Brot, zumal der Apfel schon ins
verfaulende Stadium eingetreten war. (...)
Nach getanem Biss ging ich ins Klementinum. Hier hat die tschechische
Nationalbibliothek, die beinahe sechs Millionen Bände und einen sehr
umfangreichen Altbestand ihr eigen nennt, ihren Sitz. Ich erwarb nach
kurzem Plausch mit der Bibliothekarin an der blumenbewachsenen
Infotheke eine Mitgliedschaft (etwa eine Mark Monatsgebühr) und somit
die hochoffizielle Erlaubnis, an dem uniformierten Sicherheitsbeamten
in den Lesesaal vorzudringen. Dieser ist etwa 20 Meter hoch, von
barocker architektonischer Gestaltung und angereichert mit Studenten,
die im Zustand höchster Konzentration Wissen in sich aufsogen. Am
Platz Nummer 92 ließ ich mich hernieder und schrieb ein paar Zeilen
ins Tagebuch.
weiterlesen in meinen Reisenotizen Mit dem Zug ins Baltikum
vom März 2001!
um 23:31 in /biblio [#]
Damenabend (Betrachtungen des Spiels, III)
Heute: Frauen.
Männer spielen, wenn sie spielen. Frauen schätzen ein geselliges
Beisammensein mit Schnittchen und vielen verschiedenen Themen und
können dabei auch Karten in der Hand halten.
Soweit die großartige Fanny Müller über ihr Geschlecht. Stimmt aber
gar nicht. Erst gestern habe ich mit einem reizenden Frauenduo in
den besten Jahren eine hervorragende Partie Karten gezockt. Der
obligatorische Klatsch diente dabei offensichtlich nicht der
Geselligkeit, sondern der möglichst effizienten Verminderung meiner
eigenen männlichen Gewinnchancen durch Ablenkung. Nächstes Mal lieber
wieder Strategiepöppel verrücken unter Männern.
Fanny Müller, Wenn Frauen zu sehr Rommé spielen, in: Mein Keks gehört
mir (Berlin 1997).
um 23:24 in /literatur [#]
Donnerstag, 13. Januar 2005
Neues von meinem Mailclient
Ich benutze Mutt, die gelungenste
Synthese von Effizienzverhalten und Bedienbarkeit, seit die E-Mail das
Licht der Welt erblickte. Nun hat sich ein Fork angekündigt: mutt-ng (next generation). Was man da wohl noch besser
machen kann?
(Andreas
Krennmaiers Blog)
um 00:07 in /libresoft [#]
Donnerstag, 06. Januar 2005
Copyleft statt Hammer und Sichel
Advokaten der free culture im Lessigschen Sinne sind für Bill
Gates im Interview also "modern-day communists"; die freuen
sich und werfen gleich revolutionsrote Banner mit Copyleft-Logo statt
Hammer und Sichel unters Proletariat. (Quelle: BoingBoing).
Da geht jemandem aber die Muffe, und die Wächter der geistigen
Melkmaschinen erahnen schon Schlimmes: freie Kultur funktioniert sogar
im Kapitalismus.
um 22:23 in /copy [#]
Mittwoch, 05. Januar 2005
Logos: die Krux mit dem Buch
Noch in den späten 1990ern warb die Hochschule für Bibliotheks- und
Informationswesen (HBI) Stuttgart (jetzt fusioniert zur Hochschule der Medien) mit
einem Logo, welches in futuristischem Pep ein geöffnetes Buch mit
einer 5,25-Zoll-Diskette kreuzte. Für alle Nachgeborenen: das sind
diese großen weichen Quadrate mit Magnetscheibe (und
Laufwerksverriegelung -- ratterratterschnacks!). Heute ersetzt die
Floppies der Laptop, wie das Logo auf den Seiten des L.A. Chapter of the American
Society for Information Science and Technology schön demonstriert.
Und was lernen wir daraus? Wenigstens das Buch bleibt, was es
war: beständig.
um 21:32 in /biblio [#]
Google und Microsoft
Die Technology Review
(US) lässt einen alten Softwaregeschäftshasen ausführlich zu Google
Stellung nehmen. Unter dem Titel What's
next for Google gibt es eine Einschätzung zur zukünftigen
Geschäftstaktik der Suchmaschinenfirma gegenüber Microsoft von jemandem, der schon früh vom
Monopolisten gefressen wurde (aber dafür auch noch Anteile
besitzt...). Zwar nicht neu: die klare Offenbarung, dass die
Schaffung von Benutzer-Abhängigkeiten zu proprietären Standards in der
Softwarebranche als entscheidend analysiert wird. Dennoch lesenswert!
um 21:17 in /netz [#]
Samstag, 01. Januar 2005
Intellectual Property lockig betrachtet
John Locke hat mit seinen Ausführungen zum Eigentum in seinem
liberalistischen Hauptwerk Two
Treatises of government (1690, Kap. 5) eine Unmenge an
wissenschaftlicher Literatur eben darüber provoziert. Dabei bezieht sie
sich nicht nur auf die Rechtfertigungen der Eigentumsrechte, sondern
mit der zunehmenden Zusammenklaubung von digitalen Daten zu einer
Anhäufung von divergierenden Informationen mit dem mutmaßlichen Ziel
der global vernetzten Wissenserweiterung auch auf die feine
Unterscheidung der materiellen und der immateriellen Güter. Während
Locke die grundlegenden Gedanken liefert, dass Eigentum notwendig sein
muss, um das friedliche Zusammenleben zu sichern, analysiert z.B.
Kimppa diese Voraussetzung unter der Erweiterung auf die
Immaterialität der Software und kommt zu dem Schluss, dass der
Liberale Locke heute wohl die sogenannten IPRs (Intellectual Property
Rights) verneinen würde: schon gar nicht existiert irgendein geartetes
Naturrecht auf geistiges Eigentum:
The reason ownership is needed is that material resources are
scarce, and thus everyone cannot necessarily own everything they would
want to. This does not hold true for the immaterial. [...]
No one is deprived of ownership in what he or she has if someone else
owns the same immaterial as well. (Kimppa 2003).
Locke begründet also kein Recht auf geistiges Eigentum; immaterielle
Güter können nicht geklaut werden, sondern nur vervielfältigt (denn
das Original ist ja immer noch da). "Geistiger Diebstahl"
ist also nichts weiter als eine Luftblase.
Axel Schulz schreibt: I hold that a society is terribly mistaken if it uses the idea of
protection in respect of any kind of intellectuals with the inherent
assumption that the use of an idea might limit the pleasure or
possibilities of other individuals. (Schulz 2004, S. 61).
Also sollten wir nicht diskutieren
über Kampfbegriffe wie Diebstahl und geistiges Eigentum, sondern über
den Umgang mit der kopierbaren Natur eines Gutes in der digitalen
Welt, über finanzielle Kompensationsmöglichkeiten für kreative Schöpfer, über
Distributionskanäle für wissenschaftliche Literatur, die den Zielen
der Autoren gerecht werden und nicht nur der Bereicherung durch
immaterielle Güter dienen. Ein Auto kann ich klauen, geschriebenen Code aber
nicht: ich kann nur Urheberrechte verletzen. Das ist ein
kleiner Unterschied.
Kai Kimppa: Intellectual property rights in software--justifiable
from a liberalist position? Free Software Foundation's position in
comparison to John Locke's concept of property, in: Proceedings of The
Sixth Annual Ethics and Technology Conference, S. 143-52, Boston
College 2003).
Axel Schulz: Intellectual Property
Rights in Software - A Critical Investigation from an Ethical
Perspective, Master's thesis University of Linköping, 2004.
um 13:33 in /libresoft [#]
Jahr rum
Gute Vorsätze hab ich nicht, denn ich bin vorsätzlich gut
(neujährlich nächtlicher Spontankalauer).
Und nicht vergessen: Solidarität üben kann man jeden Tag, auch
ganz ohne Naturkatastrophe. Sogar vor der eigenen Haustür.
Wer dafür alberne Weihnachtsansprachen braucht, ist schon ziemlich
armselig.
um 12:38 in /rest [#]
