Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Montag, 29. November 2004

Gilb
Oha. Diese verdammten amerikanischen Paperbacks. Für 16 Dollar 95 erworben, gedruckt vor neun Jahren, vergilbt im eigenen Bücherregal. Der Gilb-Befall steigt exponentiell. Bei der aktuellen Leserate von 0,4 Seiten im Jahr werde ich das Ding nie schaffen, bis es vor meinen Augen zerfallen ist. Noch 524 Seiten bis zum Ende, ich riskiere mal wieder einen Blick, doch weiter geht es mit den rätselhaften Zeilen The great cusp--green equinox and turning, dreaming fishes to young ram, watersleep to firewaking, bears down on us. Gleich krieg ich schon wieder Albträume davon. Schnell weglegen und ein Bier zur Beruhigung aufmachen.

um 21:55 in /literatur  [#]

Mittwoch, 24. November 2004

PDA-Bilder aus der Antarktis
Der Künstler Simon Faithfull ist gerade als Gast auf dem Forschungsschiff RSS Shackleton in der Antarktis unterwegs und schickt jeden Tag ein neues pixeliges Bild frisch von seinem PDA in die restliche Welt: Ultimately the work will look at what it is that fascinates us still about this beautiful emptiness. Cool.

um 23:46 in /netz  [#]

Verruchte Erotik in der Bibliothek
Theater mit ganz vielen Büchern: am Schauspielhaus Hannover läuft gerade eine Inszenierung von Shakespeares Was ihr wollt unter der Regie von Sebastian Nübling. Das Bühnenbild zaubert dabei jede Menge Bücherregale aufs Parkett; akrobatisch hangelt sich der Herzog Orsino über die riesige Schrankwand, um dann genüsslich den schwulen Schwulst eines Bisexuellen aufzuführen, schreibt dazu die Süddeutsche Zeitung, und weiter: ein Turmbau zu Babel mit Büchern steht als isoliertes Bild mitten in der Aufführung, und ein harmonisches Ende gibt der vorherigen Wildheit den Anschein von Stammtisch-Anarchismus. (SZ vom 24.11.2004)
Die gemischte Kritik ist leider (wie so vieles) nicht im freien Online-Angebot zu finden.

um 23:38 in /biblio  [#]

Dienstag, 23. November 2004

Bibliomanie
In der taz hat Tom Wolf heute auf der Wahrheitsseite einen schönen Text über Buchversessenheit platziert:
Auszug: "Bibliomanie ist eine der großen schleichenden Krankheiten unserer Tage", sagte die Psychologin Irmgard Reißer-Brand, die sich in ihrer Bucher Praxis auf die schwierige Therapie der als unheilbar geltenden Schädigung des nervus exlibris im Cerebrum spezialisiert hat. zum Volltext

um 23:53 in /biblio  [#]

Blog on the Commons
David Bollier hat ein neues Portal/Blog ins Leben gerufen. Es heißt On The Commons und gibt mittels aufgeräumtem Design einen allgemeinverständlichen Einstieg in die Commons-Problematik. Zum Probelesen übernehme ich einen Beitrag von Bollier zur Debatte um das Geistige Eigentum, einen Begriff den nicht nur GNU-Vater Richard Stallman für problematisch hält. OnTheCommons.org steht unter einer CC-Lizenz: hier ist ein Rip :-)

One of the great fallacies in various copyright debates is that intellectual property should be treated the same way as physical property. Jack Valenti, the film industry's top lobbyist until recently, is famous for comparing unauthorized uses of copyrighted works to theft. If someone uses my car or enters my house without permission, why, that's wrong. So it's only common sense to see that using my "intellectual property" is also morally wrong.
Now, finally, Mark A. Lemley, a noted legal scholar at Stanford, has devoted an entire law review article to explaining why such analogies are bogus, and how "content owners" use them to expand legal control over their works and curb the public's fair use rights. Lemley's is an important argument. Until we begin to understand how copyright and trademark law are NOT like other property, we will never be able to defend the public's stake in intellectual property law. Copyright is a form of social policy or government regulation, not a natural right that is absolute.
In "Property, Intellectual Property and Free Riding,"Lemley argues that traditional property law has been invoked as a way to assert broader legal control over music, film and writing. But "the rhetoric and economic theory of real property," Lemley writes, fundamentally distorts the actual economics of creative works. Land and other physical property are finite; if one person uses my car, I cannot. Economists call such goods "rivalrous." But music, film, books and other creative works -- especially if they are in digital formats -- can be easily reproduced and cannot be "used up." Indeed, their real value comes through their circulation among people. As economists would put it, there are "positive externalities" that are created when a copyrighted work is freely available. Indeed, this is the essence of culture -- the free appropriation, sharing and modification of other people's creative and informational works.
By applying property law to intangible works that are essentially non-depletable, corporations wih large inventories of copyrighted works are able to pull off a neat trick. They invoke the idea of "free riders" to justify an expansion of copyright law and the suppression of unauthorized uses of a work. The term "intellectual property" had little currency until the early 1980s, when its use skyrocketed. It is time, writes Lemley, to confront the distortions of property law as applied to intangible works: "Intellectual property has come of age; it no longer needs to turn to some broader area of legal theory to seek legitimacy. The economics of intellectual property law should focus on the economic characteristics of intellectual property rights, not on inapposite economic analysis borrowed from the very different case of land."

(Quelle: David Bollier in his Blog on the commons)

um 23:49 in /copy  [#]

Montag, 22. November 2004

In Heidelberg einen Pfefferminztee mit Hemingway trinken
In der Badenmetropole trinken spanische Studentinnen Duisburger Pils aus bayerischen Prinzregent-Luitpold-Krügen. Im MP3-Player an der Bar kopulieren norwegische Elektroniker mit den Rolling Stones, von der Wand lugen ganz viele schriftstellerische Hemingways und den Flammkuchen kredenzt eine junge Dame; ich bestelle noch einen Pfefferminztee zur Verdauung und bilanziere: gut, auf dem Wochenendausflug einen Zwischenstopp in Heidelberg eingelegt zu haben.

um 21:44 in /rest  [#]

Mittwoch, 17. November 2004

William Blake, dead man
Oh why was I born with a different face,
Why was I not born like the rest of my race,
When I look each one starts! When I speak I offend
Then I'm silent and passive and lose every friend


More great prose and letters to be found in the William-Blake-Archive

um 23:08 in /literatur  [#]

Montag, 15. November 2004

Breiten- und Längengrade nachkucken
... kann man gut mittels OpenGeoDb. Brauche ich seltsamerweise häufiger als man denken könnte.

um 22:13 in /netz  [#]

Sonntag, 14. November 2004

Croissant (Wissenslücken, III)
Die schönste Zusammenfassung über die Entstehungsgeschichte des Croissant, des der Legende nach nicht naturgemäß französischen, sondern durch Marie Antoinette importierten Ösi-Gebäcks, findet sich im dankenswerterweise immer noch frei zugänglichen ZEIT-Archiv, verfasst von Urs Willmann 2001:
Auf der einen Seite die belagernden Ottomanen, physisch nicht in der Lage, ins Bollwerk Wien einzudringen. Da griffen sie zur Waffe, die jeden Schützen-, Burg- und ideologischen Graben überwindet. Sie quälten die eingekesselten Wiener mit Schwaden verdunstenden Bohnenwassers. Aber auch die Wiener kannten kein Pardon. Sie nahmen sich den roten Halbmond der Türkenflagge vor, schoben ihn - geformt aus Mehl und Wasser - in den Ofen und signalisierten mit dem entweichenden Duft den Angreifern: Vergesst das Unternehmen! Haut ab! Wir haben noch zu essen, euer Mond ist unser Fraß!

um 23:18 in /rest  [#]

Freitag, 12. November 2004

Im Liegen lesen
Unschlüssig, ob ich der dunklen kalten Stadt noch meine Anwesenheit zumuten oder besser im Trockenen bleiben sollte -- schließlich hatte ich mich zum Wochenausklang nicht verabredet und war deshalb frei in meiner Entscheidung -- öffnete ich das einfachverglaste Fenster und ließ meinen Blick über die von den Straßenlaternen nur spärlich erleuchtete ruhige Straße schweifen. Nachdem das Laub fast zur Gänze von den Bäumen gefallen war, gab es wieder mehr Sichtkontakt zu den Nachbarn gegenüber. Im ersten Stock lag der junge schwarzhaarige Mann im hellerleuchteten Zimmer, über die bis zur Nasenspitze hochgezogene Bettdecke lugte ein Buch, welches er sichtbar genüsslich durchblätterte. Ein Stockwerk höher leicht rechts der nächste Mann, er auf einer Couch und noch voll bekleidet, mit einem dicken Schmöker in der linken Hand. Im Erdgeschoss brannte eine Kerze. Brauchte mich die Stadt? Ich griff also ins Regal und so lag auch ich in nun vollendeter Dreieinigkeit der lesenden Männer dieser Straße in der dunklen regenverhangenen Stadt.

um 22:22 in /rest  [#]

ZEIT-Lexikon klaut aus Web (sagt die taz)
In der schönen Rubrik Das gibt zu denken bezichtigt Dietmar Bartz das stolze und mächtig beworbene ZEIT-Lexikon des Plagiats: Die Website www.klaus-klausen.de enthält den Zeit-Eintrag fast wortwörtlich, nur mit viel weniger Fehlern als im Lexikon. Ich hab es aus lauter Schreck vor so viel Lexikonwerbung nicht überprüft. Gibt aber trotzdem zu denken.

um 22:20 in /schrift  [#]

Donnerstag, 11. November 2004

UniWakkaWiki
Ziemlich positive Rezension von Lambert Heller in Netbib: UniWakkaWiki als Schreibtool mit BibTeX-Unterstützung. Interne Notiz: bei Gelegenheit mal testen.

um 21:14 in /tech  [#]

MSN-Suchmaschine Beta
Microsoft hat heute seine neue Suchmaschine in der Beta-Version online geschaltet, nachdem die Bots ja schon seit über einem Jahr herumschnüffeln. Erste Testsuchen verlaufen recht positiv: eine Suche nach Microsoft Bashing liefert gleich als ersten Treffer eine Microsoft-Boykott-Seite. Allerdings findet Google zum gleichen Thema etwa 20.900 Seiten, MSN nur 8.875. Auch das Ranking fällt bei Google natürlich anders aus. Mal sehen was die Micros da noch vorhaben.

um 21:11 in /tech  [#]

Montag, 08. November 2004

From Moses to the tribunal of Alpha III?
Wer hätte das gedacht, aber Bücher in guter alter papiernen Form existieren auch noch auf Raumstationen aus Pappmache. Nach 40 Jahren schafft es auch die legendärste aller Sci-Fi-Serien auf DVD und sorgt trotz unverschämter Preispolitik für feuchte Augen. Gegen die alten Recken kann der heute fabrizierte Schlamassel unter gleichem Markenzeichen getrost einpacken (vgl. Just a television show? The myth of Star Trek). In der Folge Court Martial trifft der angeklagte Cpt. Kirk auf einen ausgemachten Bücherwurm, den Rechtsanwalt Cogley, und es entwickelt sich ein hübscher Dialog; dass Kirk so schwer von Begriff zu sein scheint, deutet auch darauf hin, dass solche Professionen wie die Bibliothekszunft nur noch von irgendwelchen "crackpots" (Kirk) in Ehren gehalten werden...

Cogley: Don't you like books?
Kirk: Oh, I like them fine. But a computer takes less space.
C: Hah, a computer! I got one of these in my office. Contains all the precedents. The synthesis of all the great legal decisions written throughout time - I never use it.
K: Why not?
C: I've got my own system. Books, young man, books, thousands of them. If time wasn't so important I'd show you something: my library. Thousands of books.
K: What's the point?
C: This is where the law is. Not in that homogenised, pasteurised synthesizer. Do you want to know the law, ancient concepts in their own language? Learn the intent of the men who wrote them? From Moses to the tribunal of Alpha III? Books...
K: You have to be either an obsessive crackpot who's escaped from his keeper or Samuel T. Cogley, attorney in law.
C: Right on both counts. Need a lawyer?


Im Deutschen heißt es übrigens statt "crackpot" "komplett verrückter Spinner" - mehr Beispiele an albernen Enterprise-Zitaten habe ich übrigens mal zusammengetragen. Steady as she goes!

um 23:06 in /biblio  [#]

Freitag, 05. November 2004

Dreckige Wäsche
Trotz naturgemäßer Trägheit in der Eintragungs-Häufigkeit bekommt dies Blog stetig wachsenden Besuch weiterer Aggregatoren. Garantiert ohne wachsenden Mitteilungsbedürfnisdruck teile ich mit: wegen Sterbeanzeichen des im Keller vor sich hin bollernden Waschmaschinen-Dinosauriers (er spuckt reichlich Wasser) war ich heute im Waschsalon. Großartiger Platz zum Sozialisieren unter Mitmenschen, welche eigentlich gerne gerade woanders sein würden. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das war jetzt zwar ziemlich offtopic, aber ich will auch ins Bett.

um 00:01 in /meta  [#]