Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Samstag, 21. August 2004

Hier kommt die Kaltfront
Die warmen Tage sind angezählt; warum nur überkommt mich ein solches Hochgefühl beim scheidenden kurzen Sommer? Nasses Laub auf den Straßen, es dunkelt immer früher, und abends schon mal kalte Ohren im Wind. Wahrscheinlich ist es die Aussicht auf Entspannung nach dem vielen Draussen-Sein-Müssen im Sonnenschein. Die Kultur kommt langsam zurück in die Stadt aus ihrem Sommerurlaub. Passend dazu lege ich jetzt die neue Sterne-CD ein: Hier kommt die Kaltfront -- ein Meer der Frische, nur ohne Fische -- alles unberührt. Wie vielversprechend. Willkommen, Herbst!

um 22:48 in /rest  [#]

Schwer beschaffbare Literatur (Erinnerung an H.P.L.)
Seine Korrespondenz mit der Widener Library in Harvard, der Bibliotheque Nationale in Paris, der Universität von Buenos Aires und der Bibliothek der Miscatonic University in Arkham war unbefriedigend verlaufen; es gelang ihm nicht, das Buch zu bekommen, das er so verzweifelt suchte. So machte er sich schließlich persönlich auf den Weg, abgerissen, schmutzig, bärtig und einen seltsamen Dialekt sprechend, um in eine Ausgabe in Miscatonic Einblick zu erhalten, das von ihm aus am wenigsten weit entfernt war. Fast acht Fuß groß, mit einem neuen billigen Handkoffer aus Osborns Store erschien diese dunkle bocksähnliche Chimäre eines Tages in Arkham und verlangte den schaudervollen Band, der in der College-Bibliothek hinter Schloß und Riegel aufbewahrt wurde - das grauenhafte Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred in Olaus Wormius' lateinischer Ausgabe, die im siebzehnten Jahrhundert in Spanien gedruckt wurde.
(aus: H.P. Lovecraft: Das Grauen von Dunwich / The Dunwich Horror (1929). In: Ctulhu - Geistergeschichten, S. 172. Deutsch von H.C. Artmann. Suhrkamp 1972.)

Lovecraft wäre am 20. August 114 Jahre alt geworden und starb bereits 46jährig im Jahre 1937.

um 10:19 in /literatur  [#]

Musikfertigung, industriell
Einen weiteren Kommentar zum vielbeschworenen Ende der Musikindustrie (apropos: gerade komme ich von einem Festival, auf dem mehrere Tausend Leute ihr sauer verdientes Geld gerne gelassen haben) entnehme ich dem Weblog Kritische Masse.
Diese Majors aber auch noch als Kreativwirtschaft zu bezeichnen, grenzt an Wahnsinn. Diese Kreativwirtschaft war der goldene Käfig für den Musikzoo, der sich in der Hoffnung auf das große Geld und Berühmtheit hinein begeben hat. (...) Mach' aus industrieller Musikfertigung ein Kreativprodukt, denn nur so kann man es unter besonderen gesellschaftlichen Schutz durch Gesetze stellen. Das ist der Trick dabei.
Schönes Zitat nachgereicht vom Zeitungsausriss an meiner Schreibtischwand vor der Nase: Endlich verschwinden diese ganzen Rendite-Typen aus dem Rock&Roll und halten sich wieder an Containerschiffe oder Junk Bonds von den Caymaninseln. Die Herstellung von Popmusik wird im kommenden goldenen Zeitalter wieder von Spinnern übernommen. Mit dem derzeitigen Personalexodus verschwindet - rein strukturell betrachtet - auch die Generation der Puffgänger und Föhnfrisuren im Popgeschäft. (Ralf Niemczyk in der taz vom 23.01.04.


um 10:19 in /netz  [#]