Montag, 16. Februar 2004
Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Dritter Teil und Schluss)
Die Vorstellung, die Usability von Oberflächen durch das Abbilden von
analogen Prozessen der realen Welt abzubilden, ist kläglich an ihre Grenzen
gestoßen. Anstatt sich einmal mit ordentlicher Computersyntax
auseinanderzusetzen, will der durchschnittliche Computerbenutzer am liebsten
nichts lernen und sich trotzdem optimal verstanden wissen. Solange wir noch
nicht unsere Absichten per Gedankenübertragung an die Maschine weitergeben
können, werden wir also weiter vor uns hin stümpern. Wer sich die Autonomie
erhalten will, effizient arbeiten möchte und eine höhere Lernkurve nicht
scheut, findet unter dem intellektuellen Output der Freien-Software-Entwickler
brauchbare Alternativen: nicht perfekt, aber als Arbeitswerkzeuge einigermaßen
nützlich.
Jeder will alles möglichst einfach haben. Aber kann man denn allen Ernstes
erwarten, dass es einfacher sein soll, mit einer Handvoll maschinenlesbarer
Anweisungen und Programmierschleifen zu kommunizieren, als mit einem
menschlichen Gegenüber, dessen Sprache man nicht mächtig ist? Ja, eigentlich
sollte man das. Warum auch nicht? Schließlich soll die Technik uns helfen und
nicht an der Nase herumführen und alles nur noch komplizierter machen.
Allerdings liegt der Tag der Erfüllung noch hinter dem Horizont. Weit
dahinter.
Unter der Oberfläche der Bedienungsfreundlichkeit schlummert der Bumerang der
computerisierten Gesellschaft, die Nemesis der Usability Designer, der
schlimmste Alptraum seit Bill Gates. Sie verspricht ein einfacheres Leben und
schafft doch nur die reine Ineffizienz.
(Teil 3 von 3, und Schluss)
um 23:30 in /tech [#]
