Sonntag, 15. Februar 2004
Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Zweiter Teil)
Nichts gegen ein bisschen Monitorästhetik. Nichts gegen die Maus an
sich. Ja, sogar nichts gegen Fenster. Aber warum um alles in der Welt
braucht es jedesmal nervenaufreibende Navigationsorgien durch
Startmenus um ein neu installiertes Programm zu finden? Warum muss
der Desktop mit Bildchen zugekleistert werden wenn es doch genügen
würde, einfach eine Eingabeaufforderung bereitzustellen? Warum soll
es komfortabel sein, ständig Fenster zu maximieren oder zu
minimieren? Warum muss ich dreimal klicken, um überhaupt den ersten
Buchstaben in das Adressfeld einer E-Mail schreiben zu können? Ja
sicher, es gibt Shortcuts, aber die Schere zwischen Grafik und
Tastatur hat sich meist so weit geöffnet, dass schon ohne
Steuerungstasten gar nichts mehr geht: so steht man nackt und einsam
vor der Wahl zwischen der blinden Maus und einer ihrer Mächtigkeit
beraubten Tastatur. br>
Es geht auch anders. Ich benutze ein Mailprogramm, welches nichts
anderes tut, als eben elektronische Post zu verschicken. Updates
stopfen höchstens noch Sicherheitslöcher und verstopfen nicht die
einfache Klarheit der Benutzeroberfläche durch überflüssige neue
Gadgets. Will ich eine neue Mail schreiben, drücke ich ein M. Dann
fragt mich mein Programm nach einem Empfänger, dann nach einem
Betreff, und dann nach einem Text, ohne dass ich etwas anderes drücken
müsste als die Returntaste. Für jede Funktion gibt es eine Taste, und
da elektronische Post nunmal nicht sonderlich aufregend zu bedienen
ist, ist man rasch in der Lage, auch dutzende von E-Mails schnell zu
lesen. Ohne auch nur einen Augenblick die Maus geschoben zu haben.
Mein Programm kennt keine Maus. Es geht gar nicht mal mit einer Maus.
Die Programmierer sahen schlichtweg keine Notwendigkeit darin, ein
Zeigegerät auf ein Programm aufzupfropfen, welches sowieso nur mit
Text zu tun hat. In der Tat sollte man bei rationaler Betrachtung
meinen, nur ein Wahnsinniger käme auf die Idee, bei einer solchen
Funktionalitätsanforderung plötzlich mit einer Maus herumzufahren.
Doch es ist so gut wie Alltag geworden, für alle selbstverständlich
und normal. Die Maus hindert die Anwender gleichzeitig daran, sich
einmal Gedanken darüber zu machen, wie effizient das Ganze
Herumgefuhrwerke überhaupt ist. Die Maus verhindert den Fortschritt in
der Entwicklung nützlicher Interfaces. Zugegeben: ein Grafikprogramm
hat viele nützliche anklickbare Dinge. Ich klicke auch gerne mal auf
Hyperlinks. Wozu ich aber keine Lust habe, ist das Stochern in
schlecht programmierten Oberflächen, in denen man für die einen
Funktionen nur die Maus nutzen kann, und andere nur unzureichend über
Tastenkommandos zu erreichen sind. Die Mehrheit der bisher
entwickelten Programme sind durch genau diese Tücken gekennzeichnet.
(Teil 2 von 3, wird fortgesetzt)
um 23:06 in /tech [#]
