Schnorchelfabrik Weblog : minimal blogging redux


Schnipsel zur Netzkultur, Informations-Allmende und Randgebieten

Samstag, 14. Februar 2004

Der Terror der graphischen Benutzeroberfläche (Erster Teil)
Der Umgang mit dem Computer findet heute in einer Übergangszeit statt: vom kryptischen Tastaturkommando bereits weitgehend entfernt, führt der Weg über die Spracheingabe bis hin zur synaptischen Verschmelzung implantierter Hirnchips. So weit ist es allerdings noch nicht. Mit allen nur erdenklichen Schnörkeln werden immer neue Funktionalitäten vorgegaukelt, welche Altbekanntes umfrisieren und wahre Fortschritte in der Mensch-Maschine-Kommunikation verhindern. "Durch den ständigen Gebrauch von GUIs" (Graphical User Interfaces), schreibt Neal Stephenson, "haben wir unmerklich eine Prämisse geschluckt, die nur wenige Leute akzeptiert hätten, wenn sie ihnen geradeheraus präsentiert worden wäre, nämlich, dass schwierige Dinge leicht und komplizierte einfach gemacht werden können, indem man ihnen nur die richtige Benutzeroberfläche verpasst." (Die Diktatur des schönen Scheins, München 2002). Wenn ich ein Programm aufrufen will, ist es dann nicht der einfachste denkbare Weg, einfach den Namen einzutippen, und ab geht der Spaß? Lange Zeit war das auch so, doch dann kam der Macintosh und setzte anklickbare Bildchen davor. Der Gelangweilte mag in wilden Klickorgien und der Suche nach den richtigen Knöpfen noch etwas Erfüllendes finden, der an ernsthafter technischer Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ideen und Arbeit Interessierte findet jedoch immer schwieriger wirklich nützliche Werkzeuge. Der Terror der sich überlappenden Fenster ist eine seltsamsten Entwicklungen in der Geschichte des Personal Computers. Die heutigen Desktops speisen sich fast ausnahmslos noch aus der naiven Anfangswelt, als der Macintosh das multimediale Fensterln einführte. Dass das manuelle Müllraustragen mit der Maus in einen virtuellen Mülleimer geradezu als Revolution angesehen wurde, bestimmte eine ganze Generation von Usability Designern, die anfingen, alles mögliche so verdesktopisieren, und heute macht ihre Rachegöttin Überstunden, um niemanden davonkommen zu lassen ohne Knoten im Gehirn.

(Teil 1 von 3, wird fortgesetzt)

um 23:34 in /tech  [#]

War nur eine Frage der Zeit: SCO fährt den eigenen Karren in den Dreck
Prof. Eben Moglen, Rechtsberater der Free Software Foundation, bescheinigt der Firma SCO im Streit um angebliches geistiges Eigentum am Linux-Kernel eine denkbar schlechte Strategie. Die angestrengten Klagen gegen IBM und nun auch Novell markieren die kopflose Flucht ins Verderben der Firma: eine bei der derzeitigen Faktenlage zu erwartende sichere Prozessniederlage werden die Shareholder nicht verzeihen.
If SCO's licensing campaign fails to generate the revenues SCO has been predicting for potential investors--because it turns out that SCO never owned what it claimed to be legally entitled to force others to license-- SCO and its principals will have plenty to answer for, and not just to its shareholders, but to the SEC as well. It is not good practice to attempt to force people to buy from you what you may not own. It is even worse prac- tice to mislead investors into thinking that they will benefit from such sales without disclosing that you may not own what you are trying to sell. Now that SCO itself has begun unraveling this aspect of the situation, the end is in sight. The winter of SCO's discontent is likely to give way to a glorious summer for open source software.
(Open Source Development Labs)

um 23:34 in /libresoft  [#]